Restaurierung einer franz. Taschenuhr mit Viertelstundenrepetition

Bei der Taschenuhr handelt es sich um ein Oignon ( fr. Zwiebel). Dieser Begriff wurde ursprünglich als ein spöttischer, abwertender Ausdruck für große, plumpe und besonders dicke Taschenuhren verwendet. Nach der Erfindung der Unruh mit Spiralfeder durch Christian Huygens in den Jahren 1674/75 wurde dieser Uhrentyp besonders in Frankreich entwickelt, der wegen der Schnecke und der noch schwierig herzustellenden Spiralfeder relativ dick und groß wurde. Auch bauten die Uhrmacher zunächst recht große Unruhen ein und dachten somit eine hohe Ganggenauigkeit zu erzielen. Mit der Zeit verfeinerten sich die Herstellungsmöglichkeiten und die Oignons wurden langsam kleiner und flacher.

Auch bei den Zifferblättern fand ein Wandel statt: Im Anfang hatte diese Art von Uhren ein metallisches Zifferblatt mit emaillierten Ziffernkartuschen für eine relativ grobe Stundeneinteilung und besaßen nur einen Stundenzeiger. Man konnte bei diesen Taschenuhren die Zeit maximal auf eine Viertelstunde genau ablesen.

Mit der größeren Ganggenauigkeit durch die Erfindung von Hygens fand dann um 1700 der Minutenzeiger seine Verbreitung, und die Zifferblätter bekamen eine feinere Einteilung durch die sogenannte Minuterie. Auch beim Emaillieren machte man Fortschritte und die ersten komplett emallierten Zifferblätter kamen zum Ende des 17. Jahrhunderts auf.

Das Zifferblatt ist komplett emalliert, die Ziffernkartuschen sind aber noch als Erhebung deutlich zu erkennen. Die Größe der Taschenuhr: 56,5mm Durchmesser und 31mm Höhe.

Die vorliegende Taschenuhr dürfte zwischen 1715 und 1720 entstanden sein, es finden sich Stilelemente sowohl aus der Zeit von König Ludwig XIV. als auch Elemente, die man dem Stil von König Ludwig XV. zuordnen kann.

 

Die Viertelstundenrepetition

Dies ist eine Zusatzfunktion, welche durch drücken des Pendant (Bügel oberhalb der 12 am Gehäuse) ein Schlagwerk auslöst, was dann zunächst mit Einzelschlägen die Stunde und mit Doppelschlägen die Anzahl der vergangenen viertelstunden bis zur letzten Stunde auf eine Glocke schlägt. Dieses wiederholen der Zeit nennt man auch repetieren. Da es auf eine Viertelstunde genau geschieht, sagt man auch Viertelstundenrepitition.

Ein Beispiel:

Zeigt die Uhr 8:47 Uhr,würden nach dem Auslösen zunächst 8 Stundenschläge ertönen, denn 8 Stunden sind vergangen, danach erfolgt zur Unterscheidung eine kurze Pause und anschließend erfolgen 3 Doppelschläge, weil ja bereits 3 Viertelstunden vollendet sind.

Wenn man die damaligen Lebendsumstände bedenkt, war es schon eine segensreiche Zusatzfunktion: Wurde man nachts wach, und wollte die Uhrzeit wissen, musste man eine Kerze oder eine Öllampe entzünden, was ohne moderne Feuerzeuge auch etwas ,,mühsamer" war. Mit einer Repetitionsuhr war das schon viel einfacher...! 

Die Funktionsweise des Mechanismus

Durch drücken des Pendant am Gehäuse wird ein Druck in Pfeilrichtung ausgeführt. Der Rechenhebel A wird in Richtung Werkmitte geführt. Er ist auf dem Führungsstift a' gelagert und hat dort seinen Drehpunkt. Im unteren Bereich hat der Rechenhebel A einen Begrenzungsarm B (auf Bild 3 besser zu erkennen), mit dem er auf der Stundenstaffel S beim Drücken seine Begrenzung findet.

 

 

 Die Stundenstaffel S ist eine Scheibe, die in 12 Abschnitte eingeteilt ist und von Abschnitt zu Abschnitt jeweils etwas vom Radius her abnimmt. (Siehe Bild)Mit der Stundenstaffel fest verbunden ist ein 12er Stern. 

 

 

 

 

 

Das Viertelrohr mit der Viertelstundenstaffel V dreht sich einmal pro Stunde und besitzt auf der Unterseite einen Stift, der jeweils zur vollen Stunde in den Stern der Stundenstaffel eingreift und sie um eine Position weiter ,"schupst". Die Klinke s' mit ihrer Feder k' halten die Staffel dann bis zum nächsten Schaltvorgang in entsprechender Position.

Bei genauer Betrachtung erkennt man, dass die Hebescheibe H auf einem Vierkant sitz. Dieser Vierkant gehört zu der Welle des Federhausrades 1 und stellt die Verbindung zu der Schlagwerkfeder her. Gelagert ist das Federhausrad 4 zwischen den beiden Werkplatinen und geht durch das Federhaus vom Schlagwerk durch und trägt den Federkern 5, der den inneren Verbindungspunkt zur Schlagwerkfeder bildet. Von dem Federhausrad wird ein Räderwerk 3 bestehend aus 3 Rädern und einem Windfang 2 angetrieben. Sie sind alle ebenfalls zwischen den Platinen gelagert und sorgen für einen gleichmäßigen Lauf des Schlagwerkes. Der Windfang ist auf der einen Seite in einem exzentrischem, drehbaren Lager gelagert. Mit dem Verdrehen des Exzenters 6 kann man den Eingriff zum nächsten Rad verändern und somit die Laufgeschwindigkeit vom Schlagwerk beeinflussen. Zurück zu der Hebescheibe H: Unter der eigentlichen Hebescheibe sitzt noch ein Trieb, welches zusammen mit der Hebescheibe eine Einheit bildet. Dieses Hebescheibentrieb steht im Eingriff mit der Zahnung vom Rechenhebel H.

Kommt es nun zum Drücken des Pendents, wird der Rechenhebel A in Richtung Werkmitte geführt und gibt seine Bewegung und Kraft mittels der Zahnung an das Hebescheibentrieb weiter. Da das Trieb auf dem Vierkant der Welle vom Federhausrad 4 sitzt, wird diese Kraft an die Schlagwerkfeder weitergegeben und somit die nötige Kraft zum schlagen dem Schlagwerk zugeführt.

Wie funktioniert aber nun das Schlagen der Stunden und Viertelstunden?

Wir erinnern uns: Der Rechenhebel A wird beim Drücken in Richtung Werkmitte geführt und gibt seine Kraft über das Hebescheibentrieb weiter auf die Welle vom Federhausrad und damit wird die Schlagwerkfeder gespannt. Da Hebescheibentrieb und Hebescheibe H eine Einheit sind, dreht sich H im Uhrzeigersinn mit. Im unteren Bereich hat der Rechenhebel A einen Begrenzungsarm B, mit dem er auf der Stundenstaffel S beim drücken seine Begrenzung findet. Mit Hilfe der Formgebung der Stundenstaffel lässt diese den Rechenhebel A je nach Stundenzahl mehr oder weniger tief einfallen. Je mehr Schläge desto tiefer kann der Rechenhebel einfallen.

Je tiefer der Rechenhebel A einfallen kann, um so weiter bewegt A die Hebescheibe H mit ihrem Trieb im Uhrzeigersinn von ihrem Ruhepunkt fort und spannt die Schlagwerkfeder auch entsprechend mehr vor.

Die Hebescheibe H besitzt an ihrem äußeren Umfang 20 Zähne h' mit denen beim Zurückführen nach dem Auslösen die Scheibe durch die Schlagwerkfeder der Schöpfer C nach links bewegt wird. Der Schöpfer C schiebt durch die Drehung mit seinem zweiten Ärmchen wiederum den Schlagwerkhammer J mit in Richtung Werkmitte. In dem Moment wo der Zahn h' von der Hebescheibe H den Schöpfer C wieder freigibt, schnellt der Hammer J unterstützt durch die Feder J wieder in die Ruhelage zurück. Dabei schlägt er die Glocke einmal kurz an und ein Ton ist zu hören. Die Feder c' sorgt dafür, dass nach jeder Bewegung, der Schöpfer C wieder seine Ruheposition einnimmt. 

Beim genauen Betrachten der Hebescheibe H erkennt man , dass die ersten 8 Zähne h' (auf unserem Bild 3 der rechte Bereich von H) vom Abstand untereinander anders angeordnet sind als die letzten 12 Zähne: Es ist alle zwei Zähne etwas mehr Abstand und der jeweils 2. Zahn ist einen Hauch kürzer. Durch diese unterschiedliche Anordnung wird der kurze Doppelschlag mit einer kleinen Pause für die Viertelstunden und ein gleichmäßiges Schlagen für die Stunden erzeugt.

Nochmal unser Beispiel 8:47 Uhr:

        Bim_Bim_Bim_Bim_Bim_Bim_Bim_Bim___Bim,Bim_Bim,Bim_Bim,Bim

                          8 Stunden                                       3 Viertelstunden

 Die Anzahl der Stundenschläge ergeben sich folglich dadurch: Je tiefer der Rechenhebel A mit seinem Begrenzungsarm B in die Stundenstaffel S einfallen kann, umso weiter wird die Hebelscheibe H im Uhrzeigersinn gedreht und umso mehr Zähne passieren den Schöpfer C wenn die Schlagwerkfeder die Hebescheibe wieder in ihre Ausgangsstellung zurückführt. 

Wie erkennt das Schlagwerk die Zahl der Viertelstunden, und wie stellt es sich ab?

Auf der Hebescheibe H sitzt noch eine Sperrstaffel Z mit 4 Stufen. Diese dient zur Regulierung der Viertelschläge, indem sich jeweils die Spitze des Schwanenhalsförmigen Hebels L, der auf dem Einfallhebel E um die Schraube f' drehbar, gelagert ist, in die betreffende Stufe von Z legt. Durch die Kraft der Schlagfeder drückt die Sperrstaffel Z entgegen dem Uhrzeigersinn den Hebel L und damit auch den Einfallhebel E gegen den Begrenzungsstift g'. => Die Hebescheibe H kann sich nicht weiter drehen und das Schlagwerk kommt zum Stehen. Durch eine leichte Vorspannung der Schlagwerkfeder bleibt in dieser Stellung noch soviel Kraft auf Sperrstaffel Z ,dass diese den Einfallhebel E über den Hebel L in seiner Grundposition sicher halten kann. 

Kommt es nun zur Auslösung der Repetition, dreht sich die Hebescheibe H im Uhrzeigersinn und die Sperrstaffel Z gibt den Hebel L und somit den Einfallhebel E frei. E hat seinen Drehpunkt in d' und wird nun durch die Feder e' mit dem äußeren Ende gegen die Viertelstundenstaffel V geführt und findet dort seine Begrenzung.

 

In Bild 3 ist deutlich zu sehen, wie sich die Nase von dem Einfallhebel E gegen die Viertelstundenstaffel V gelegt hat. Um, so mehr Viertelstunden vergangen sind, um so tiefer kann E in V einfallen. Bild 3 zeigt das Schlagwerk in Stufe 3. 

Der Viertelschlag kennt 4 Stufen:

Stufe 1               0. bis 15. Minute               kein Doppelschlag

Stufe 2             16. bis 30. Minute               1      Doppelschlag

Stufe 3             31. bis 45. Minute               2      Doppelschläge

Stufe 4             46. bis 60. Minute               3      Doppelschläge 

Fortsetzung folgt....

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